
Wie bereits anfangs bemerkt wird, bin ichder Auffassung, dass Klassifikationen wenig sinnvoll sind. Dennoch finden sie statt und es ist wichtig, diese „Einsortierungen” wahrzunehmen. Sind sie einmal in Zusammenhang mit dem Kind bzw. des Jugendlichen genannt, werden sie meist zum Bestandteil des „Problems”.
Bekannte Schlagworte sind unter anderem:
ADS und Hyperaktivität
LRS und Legasthenie
Rechenschwäche und Dyskalkulie
Schulangst
Sprachentwicklungsstörung
ADS (Aufmersamkeits-Defizit-Störung) ist der übersetzte Begriff des englischen ADD (Attention-Deficit-Disorder). Gleiches gilt für die Kürzel ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung) und ADHD (Attention-Deficit-Hyperactivity-Disorder).
Die medizinische Klassifikation erfolgt nach zwei Kriterienkatalogen. Nach dem derzeit gültigen ICD-10 (International Classification of Diseases) der WHO (World Health Organization), der seit Anfang 2000 nach dem Sozialgesetzbuch V zur Pflicht für die Diagnosenverschlüsselung geworden ist und dem DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders). In der Praxis wird häufiger nach dem Kriterienkatalog des DSM-IV diagnostiziert.
Die diagnostischen Leitlinien für die ADS sind im ICD-10 und im DSM-IV ähnlich. Entscheidend für die Klassifikation ist der frühe Beginn der Störung, die Zeitstabilität und die Ortsunabhängigkeit des Auftretens (in der Schule, im Elternhaus und in der Freizeit wird ein ähnliches Verhalten gezeigt).
Die Verhaltenscharakteristika der einfachen Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (F90.0) setzen sich aus einer Kombination von überaktivem und wenig variiertem Verhalten, einem Mangel an Ausdauer bezüglich der Erledigung von Aufgaben und dem Begleitphänomen der Impulsivität zusammen.
Zusätzlich können noch Störungen des Sozialverhaltens zum tragen kommen. Ist dies der Fall, bezeichnet das der ICD-10 als Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (F90.1).
Weiterführende Links:
http://www.informatik.fh-luebeck.de/...
http://www.sonderpaed-online.de/...
http://www.adhs.ch
Buchtipp:
Dieter Krowatschek: Alles über ADS, Ein Ratgeber für Eltern und Lehrer. Düsseldorf 2001. Walter Verlag.
ISBN 3-530-40121-8
Auch hier dient das ICD-10 oder der DSM-IV als Kategorisierungsleitlinie. Im ICD-10 werden die "isolierte Rechtschreibstörung" und die "Lese- Rechtschreibstörung" unterschieden.
Hauptmerkmal der LRS ist eine Beeinträchtigung der Lese- und Rechtschreibfertigkeiten, die nicht auf mangelnde kognitive Fähigkeiten, visuelle Wahrnehmungsstörungen oder falsche Beschulung zurückzuführen ist.
Der Begriff der Legasthenie stammt aus dem Jahr 1916 und wurde von Paul Ranschburg in Bezug auf Leseschwäche eingeführt. Heutzutage wird versucht den Begriff der Legasthenie für diejenigen zu benutzen, die eine LRS nach ICD-10 haben, die ausschließlich auf biologische Ursachen zurückgehen. Häufiger jedoch werden Legasthenie und LRS als Synonyme verwendet.
Weiterführende Links:
http://www.legasthenie-reutlingen.de
http://www.kjp.uni-marburg.de/kjp/legast/index.htm
Die Bezeichnung Dyskalkulie bzw. Rechenschwäche ist ebenfalls im ICD-10 verankert. Das ICD-10 definiert analog zur LRS die Dyskalkulie (F81.2) als Teilleistungsschwäche. Das bedeutet, dass das Hauptmerkmal, nämlich die Beeinträchtigung der Rechenfertigkeit, nicht auf eine allgemeine Intelligenzminderung oder unangemessene Beschulung zurückzuführen sein darf. Ebenfalls ist das frühe Auftreten (in den Grundschuljahren) dieser Teilleistungsstörung ein wichtiges Merkmal. Dementsprechend geht es nicht um die Beherrschung von höherer Mathematik, wie beispielsweise Algebra, Trigonometrie oder ähnliches. Vielmehr stehen die Fertigkeiten des Addierens, Subtrahierens, etc. im Vordergrund.
Weiterführende Links:
http://www.rechenschwaeche.de
http://www.medizinfo.de/kinder/probleme/dyskalkulie.htm
Der Begriff der Schulangst umfasst mehrere Formen, die unterschiedliche Ausprägungen haben. Furcht vor einzelnen Ereignissen (einzelne Unterrichtsstunden, vermeintlich schwierige Arbeiten, bestimme Lehrer), Angst vor einzelnen Tagen (Sportfeste, Wandertage, usw.) oder vor der Schule generell. Darüber hinaus spricht man von schulphobischen Verhalten, dass dann vorliegt, wenn sich die auftretende Schulangst nicht mehr auf tatsächliche Umstände zurückzuführen ist.
Grundsätzlich ist die Schulangst von der Unlust eines Schülers zu unterschieden, die entseht, wenn andere Orte außerhalb der Schule eine größere Anziehungskraft haben.
Weiterführende Links:
http://www.familienhandbuch.de/...
http://www.gymnasium-borghorst.de/lernen/...
Als Sprachentwicklungsstörung (SES) wird jede Form der Beeinträchtigung der "normal" verlaufenden kindlichen Sprachentwicklung bezeichnet. Dies kann im Einzelfall bedeuten, dass die Probleme im Bereich der Sprachproduktion und/oder der Verarbeitung von Sprache liegen. Die Ursachen können organisch (im Gehirn oder im Mund-, Nasen-, Rachenraum) oder durch ungünstige Lebensbedingungen begründet sein. Man spricht dann auch von einer Sprachentwicklungsverzögerung (eine verlangsamte Entwicklung der Sprache) oder von einer Sprachentwicklungsbehinderung (bedingt durch eine Hirnschädigung).

